Deut­sches Tes­ta­ment in Ita­li­en wirk­sam? Über­set­zung und Apos­til­le: was ist erfor­der­lich?

Ein in Deutsch­land errich­te­tes Tes­ta­ment kann auch in Ita­li­en (z. B. für dort bele­ge­ne Immo­bi­li­en) wirk­sam sein. In der Pra­xis ist jedoch strikt zu tren­nen zwi­schen Wirksamkeit/Formgültigkeit und den Unterlagen/Formalitäten, die italienische Stel­len für die Ver­wen­dung ver­lan­gen.

01. Wirk­sam­keit: Form­gül­tig­keit nach der EU-Erb­rechts­ver­ord­nung

Für Erb­fäl­le mit grenz­über­schrei­ten­dem Bezug, die ab dem 17. August 2015 eröff­net wer­den, gilt grund­sätz­lich die EU-Erb­rechts­ver­ord­nung (EU) Nr. 650/2012. 650/2012.

Zur for­mel­len Wirk­sam­keit schrift­li­cher Ver­fü­gun­gen von Todes wegen bestimmt Art. 27 ein Güns­tig­keits­prin­zip: Form­gül­tig­keit besteht u. a., wenn die Ver­fü­gung dem Recht des Errich­tungs­or­tes oder – je nach Anknüp­fung – dem Recht der Staats­an­ge­hö­rig­keit, des Domi­zils oder des gewöhn­li­chen Auf­ent­halts des Erb­las­sers ent­spricht.

Damit ist ein nach deut­schem Recht form­wirk­sam errich­te­tes Tes­ta­ment (eigen­hän­dig, nota­ri­ell etc.) häu­fig auch für Ita­li­en grund­sätz­lich ver­wert­bar – die kon­kre­te Prü­fung des Ein­zel­falls bleibt aber zwin­gend.

02. “Ver­wert­bar­keit in Ita­li­en: Ver­öf­fent­li­chung
und prak­ti­sche Umset­zung

Bei einem eigen­hän­di­gen Tes­ta­ment ist für die Nut­zung in Ita­li­en regel­mä­ßig die Ver­öf­fent­li­chung (pubbli­ca­zio­ne) vor einem ita­lie­ni­schen Notar rele­vant: Wer ein eigen­hän­di­ges Tes­ta­ment besitzt, muss es nach Kenntnis vom Tod des Erb­las­sers dem Notar zur Ver­öf­fent­li­chung vor­le­gen (Art. 620 c.c.).

Ist das Tes­ta­ment auf Deutsch ver­fasst und dem Notar die Spra­che nicht geläu­fig, ist die Ver­öf­fent­li­chung nicht aus­ge­schlos­sen, aber orga­ni­sa­to­risch hei­kel: maß­geb­lich ist die kor­rek­te Behand­lung der Inhalts­er­fas­sung im Ver­öf­fent­li­chungs­pro­to­koll und der Anla­gen; nota­ri­el­le Ori­en­tie­rungs­ma­te­ria­li­en zei­gen, dass hier­für typi­scher­wei­se eine italienische Über­set­zung und geeig­ne­te Ver­fah­rens­schrit­te ein­ge­setzt wer­den.

03. Wann wird eine Über­set­zung benö­tigt (und wel­che)?

Sobald ein deutsch­spra­chi­ges Tes­ta­ment oder ein deut­sches Nach­lass­do­ku­ment in Ita­li­en gegen­über Notar, Bank oder öffent­li­chem Regis­ter ver­wen­det wer­den soll, muss die Stel­le Inhalt und Trag­wei­te ver­läss­lich prü­fen kön­nen.

Für fremd­spra­chi­ge Doku­men­te, die im nota­ri­el­len Kon­text hinterlegt/als Anla­ge ver­wen­det wer­den, sieht das nota­ri­el­le Ver­fah­rens­recht typi­scher­wei­se eine Über­set­zung ins Italienische vor (durch den Notar bei Sprach­kennt­nis, sonst durch einen von den Par­tei­en gewähl­ten Sach­ver­stän­di­gen).

In der Pra­xis wird daher häu­fig eine beglaubigte/beeidigte Über­set­zung genutzt (oder eine Über­set­zung, die die jewei­li­ge Stel­le aus­drück­lich akzep­tiert), um Ver­zö­ge­run­gen und Streit zu ver­mei­den.

04. Apos­til­le: zwi­schen Deutsch­land und Ita­li­en häu­fig ent­behr­lich – aber sau­ber prü­fen

All­ge­mein betrifft die Haa­ger Apos­til­le (1961) öffent­li­che Urkun­den und ersetzt die kon­su­la­ri­sche Lega­li­sa­ti­on, indem sie Echt­heit der Unter­schrift und die Eigen­schaft des Unter­zeich­ners bestä­tigt.

Zwi­schen Deutsch­land und Ita­li­en gilt jedoch die Kon­ven­ti­on von Rom vom 7. Juni 1969, in Ita­li­en rati­fi­ziert durch Gesetz 12. April 1973, Nr. 176 (Inkraft­tre­ten für Ita­li­en 5. Mai 1975): öffent­li­che Urkun­den mit amt­li­chem Siegel/Stempel kön­nen im jeweils ande­ren Staat ohne Lega­li­sa­ti­on und ohne gleich­wer­ti­ge Förm­lich­kei­ten ver­wen­det wer­den (damit regel­mä­ßig auch ohne Apos­til­le als gleich­wer­ti­ge Förm­lich­keit).

Pra­xis­fol­ge (mit Blick auf typi­sche Fall­grup­pen):

Pri­vat­schrift­li­ches Tes­ta­ment: kei­ne Apos­til­le-The­ma­tik; Schwer­punkt liegt auf Veröffentlichung/Umsetzung und Über­set­zung.

Notarielle/gerichtliche Unter­la­gen (öffent­li­che Urkun­den): häu­fig kei­ne Apos­til­le erfor­der­lich, sofern die Vor­aus­set­zun­gen (öffent­li­che Urkun­de, Siegel/Stempel) erfüllt sind; Über­set­zung und eine kon­sis­ten­te Nach­lass­ak­te blei­ben regel­mä­ßig erfor­der­lich. Ein­zel­ne Stel­len ver­lan­gen in der Pra­xis bis­wei­len den­noch zusätz­li­che For­ma­li­tä­ten – dann hilft es, die ein­schlä­gi­ge Befrei­ung belast­bar nach­zu­wei­sen.

05. Kur­ze Check­lis­te (damit Immobilien/Banken nicht blo­ckie­ren)

  • Tes­ta­ments­typ klä­ren (eigenhändig/notariell usw.) und Ori­gi­nal oder beglau­big­te Abschrift sichern.
  • Anwend­ba­res Erbrecht und Form­gül­tig­keit prü­fen (EU-Erb­VO, Art. 27).
  • Italienische Über­set­zung für den kon­kre­ten Ver­wen­dungs­zweck vor­be­rei­ten (oft beei­digt; im nota­ri­el­len Bereich nach den Regeln zur Über­set­zung von Anla­gen).
  • Prü­fen, ob Unter­la­gen als öffent­li­che Urkun­den mit Siegel/Stempel unter die Italien–Deutschland-Befreiung fal­len.
  • Veröffentlichung/weitere Schrit­te (öffent­li­ches Register/Bank) in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge vor­be­rei­ten, ins­be­son­de­re bei Immo­bi­li­en.