Die Ersit­zung von Immo­bi­li­en: ein kur­zer Ver­gleich zwi­schen Ita­li­en und Deutsch­land

Die Ersit­zung von Immo­bi­li­en, soge­nannt Buch­ersit­zung ist eine Form des Eigen­tums­er­werbs durch Ori­gi­nal­ti­tel. Sie ist sowohl im ita­lie­ni­schen Zivil­ge­setz­buch in Art. 1158 c.c. als auch in § 900 BGB vor­ge­se­hen.

1. Zeit­li­ches Erfor­der­nis

Ita­li­en: Ita­li­en. Die “Usu­ca­pio­ne” von Immo­bi­li­en in Ita­li­en erfolgt nach zwan­zig Jah­ren ab dem Beginn des­fried­li­chen, d.h. nicht durch Gewalt oder Heim­lich­keit beein­träch­tig­ten Besit­zes (Art. 1164 Codi­ce civi­le)
Deutsch­land: Was die Buch­ersit­zung betrifft, so beträgt die Frist drei­ßig Jah­re und beginnt ab dem Zeit­punkt zu lau­fen, zu dem der Erwer­ber der Immo­bi­lie sein Eigen­tums­recht im Grund­buch ein­tra­gen lässt.

2. Umschrei­bung in das Grund­buch

Ita­li­en: Es besteht kei­ne Umschrei­bungs­pflicht für den­je­ni­gen, der durch “usu­ca­pio­ne” erwer­ben will. Der “usu­ca­pien­te”, d.h. der­je­ni­ge, der durch “usu­ca­pio­ne” erwer­ben will, muss ledig­lich sei­nen unun­ter­bro­che­nen und unge­stör­ten Besitz zum Zwe­cke des Erwerbs nach­wei­sen.
Deutsch­land: Für den Erwerb ist es erfor­der­lich, dass der­je­ni­ge, der glaubt, Eigen­tü­mer des betref­fen­den Grund­stücks zu sein, sein Recht im Grund­buch ein­ge­tra­gen hat, wobei die 30-jäh­ri­ge Frist ab dem Datum die­ser Ein­tra­gung läuft.

3. Sub­jek­ti­ve Anfor­de­rung

Ita­li­en: Für das italienische Rechts­sys­tem ist es uner­heb­lich, ob der­je­ni­ge, der die Immo­bi­lie will, gut oder bös­gläu­big ist, so dass der Käu­fer auch dann Eigen­tum kraft Besit­zes erwer­ben kann, wenn er weiß, dass er nicht der Eigen­tü­mer ist.
Deutsch­land: In § 900 BGB, der auf die für die “Ersit­zung” vor­ge­se­he­nen Regeln ver­weist, wird in §937 BGB ff. nicht nur auf das Erfor­der­nis von Treu und Glau­ben als grund­le­gen­des Ele­ment für den Eigen­tums­er­werb ver­wie­sen, son­dern sogar dar­auf, dass die­se beson­de­re Art des Eigen­tums­er­werbs aus­ge­schlos­sen ist, wenn er nach­träg­lich erfährt, dass er nicht der Eigen­tü­mer ist.

Wäh­rend also in Ita­li­en der Fall ein­tre­ten kann, dass der Eigen­tü­mer der Immo­bi­lie weiß, dass er einen Kauf tätigt, ist dies in Deutsch­land nicht mög­lich, weil der Eigen­tü­mer der Immo­bi­lie — auch irr­tüm­lich — glau­ben muss, dass er ein Eigen­tums­recht hat.