Die Zivil­me­dia­ti­on in Ita­li­en: Ein effek­ti­ves Mit­tel zur Kon­flikt­be­wäl­ti­gung

In Ita­li­en wur­de durch das Geset­zes­de­kret Nr. 28/2010 die Zivil­me­dia­ti­on ein­ge­führt, die sich als über­zeu­gen­de Alter­na­ti­ve zur klas­si­schen gericht­li­chen Vor­ge­hens­wei­se eta­bliert hat. Sie ermög­licht eine Kon­flikt­lö­sung, die auf einem Dia­log zwi­schen den betrof­fe­nen Par­tei­en basiert, die auch im Aus­land leben (zum Bei­spiel in Deutsch­land) und Eigen­tum in Ita­li­en besit­zen.

Die Zivil­me­dia­ti­on kann ent­we­der frei­wil­lig oder obli­ga­to­risch sein, je nach Art des vor­lie­gen­den Streit­falls. Die ver­pflich­ten­de Media­ti­on gilt für spe­zi­el­le Berei­che wie Erb­schaf­ten, Immo­bi­li­en- und Eigen­tums­strei­tig­kei­ten, Mie­ten, ding­li­che Rech­te (wie bei­spiels­wei­se das Nut­zungs­recht), die Auf­tei­lung gemein­sa­men Eigen­tums und Ähn­li­ches. In sol­chen Fäl­len sind die betei­lig­ten Par­tei­en ange­hal­ten, eine Media­ti­on zu ver­su­chen, bevor sie den Fall vor Gericht brin­gen. Andern­falls wird der gericht­li­che Antrag als unzu­läs­sig abge­lehnt.

Ein zen­tra­ler Aspekt der Media­ti­on ist der Media­tor. Dies ist ein unab­hän­gi­ger und unpar­tei­ischer Fach­mann, der den Dia­log zwi­schen den Par­tei­en anregt und ihnen dabei hilft, eine gemein­sa­me Lösung zu fin­den. Der Media­tor ist jedoch kein Rich­ter; er schreibt kei­ne Lösung vor, son­dern bie­tet statt­des­sen Werk­zeu­ge und Metho­den an, um die Kom­mu­ni­ka­ti­on zu erleich­tern und die Zusam­men­ar­beit zu för­dern.

Ob eine Media­ti­on erfolg­reich ist, hängt vom Wil­len der Par­tei­en ab, den Kon­flikt auf kon­struk­ti­ve Wei­se zu lösen. Ist die­ses Ziel erreicht, so ist die Ver­ein­ba­rung aus der Media­ti­on ver­bind­lich und kann wie ein Gerichts­ur­teil voll­streckt wer­den.

Die Media­ti­on bringt signi­fi­kan­te Vor­tei­le mit sich: Sie ist schnel­ler, kos­ten­güns­ti­ger und fle­xi­bler als ein Gerichts­pro­zess. Dar­über hin­aus schützt sie die Bezie­hun­gen zwi­schen den Par­tei­en, indem sie den Grad der Kon­flik­te redu­ziert und die Zusam­men­ar­beit för­dert. Schließ­lich gibt es auch steu­er­li­che Vor­tei­le in Form von Steu­er­gut­schrif­ten, unab­hän­gig davon, ob die Media­ti­on erfolg­reich ist oder nicht.

Das Media­ti­ons­ver­fah­ren kann ent­we­der per­sön­lich oder per Fern­zu­griff, also über audio­vi­su­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me, durch­ge­führt wer­den. Ins­be­son­de­re bei Fäl­len, in denen eine oder meh­re­re Par­tei­en im Aus­land leben — wie zum Bei­spiel, wenn die Mit­er­ben in Deutsch­land woh­nen, aber die geerb­te Immo­bi­lie sich in Ita­li­en befin­det — wird die Media­ti­on in Ita­li­en immer häu­fi­ger genutzt.

Die Effek­ti­vi­tät der Media­ti­on kann jedoch ein­ge­schränkt sein, wenn eine der Par­tei­en nicht bereit zur Zusam­men­ar­beit ist.

Die Zivil­me­dia­ti­on stellt eine posi­ti­ve Wei­ter­ent­wick­lung hin zu einer zugäng­li­che­ren und koope­ra­ti­ve­ren Recht­spre­chung dar, bei der die Par­tei­en eine akti­ve Rol­le bei der Kon­flikt­lö­sung ein­neh­men.